
- Prof. Dr. med. Gabriel Schär
„Cranberrysaft reduziert das Risiko von Blasenentzündungen“
Prof. Dr. med. Gabriel Schär ist Professor für Gynäkologie und Chefarzt der Frauenklinik im Kantonsspital Aarau. Er rät seinen Patientinnen seit Jahren, regelmässig Cranberrysaft zu konsumieren.
Weshalb reduziert Cranberrysaft das Risiko einer Blasenentzündung?
Prof. Dr. Schär: Ja, Cranberries enthalten viele sogenannte Proanthocyanidine, kurz PACs. Diese verhindern das Anhaften von Darmbakterien (E. Coli) an den Schleimhäuten der Harnwege und reduzieren die Menge der Bakterien im Harn. Somit wird das Risiko auf eine Infektion gesenkt. Täglich zwei Gläser Cranberrysaft à 1,5 dl bilden eine gute Vorsorgebasis. Wichtig ist, dass ein Getränk mit mindestens 25 Prozent Cranberrysaftanteil gewählt wird.
Was kann ich sonst noch zur Vorbeugung tun?
Damit eine Harnwegsinfektion von vornherein keine Chance hat, gibt es ein paar weitere Regeln zu beachten: dazu gehört, mindestens zwei Liter pro Tag zu trinken und die Haut im Bereiche des Genitales zu pflegen; dabei gilt es, aggressive Seifen zu meiden und die Haut nach dem Reinigen gut zu trocknen und mit einer rückfettenden Salbe zu pflegen. Dies verhindert das Anhaften von ungünstigen Bakterien.
Wem raten Sie, Cranberrysaft zu trinken?
Cranberrysaft empfehle ich Frauen, die wiederholt Harnwegsinfekte haben. Dort hilft er, die Wiederholungen zu reduzieren oder sogar ganz zu verhindern. Da aber alle Frauen zwischen 25 und 54 zur Risikogruppe gehören, rate ich allgemein, täglich zwei Gläser Cranberrysaft à 1,5 dl zu trinken, idealerweise jeweils morgens und abends.
Was muss ich tun, wenn die für eine Blasenentzündung typischen Symptome auftreten?
Bei den ersten Krankheitsanzeichen sollten Sie möglichst viel Wasser oder Cranberrysaft trinken und häufig die Blase entleeren. Auf Empfehlung des Arztes können Sie zur sofortigen Schmerzlinderung ein einfaches Schmerzmittel, wie z.B. Paracetamol oder Ibuprofen, einnehmen.
Wann sollte ich den Arzt aufsuchen?
Bei blutigem Urin, wenn das Fieber 38 °C und mehr beträgt und Flankenschmerzen auftreten, aber auch wenn die Symptome länger als 24 Stunden anhalten, ist ein Arztbesuch unumgänglich. Fieber und Flankenschmerzen können auf eine Nierenentzündung hinweisen.
Wie wird der Arzt bei der Behandlung vorgehen?
Bei einer erstmaligen Harnwegsinfektion entscheidet Ihr Arzt nach einem Urinschnelltest, ob ein Antibiotikum eingenommen werden muss. Tritt die Infektion wieder auf, muss der Harn genauer untersucht und das Bakterium identifiziert werden. Allenfalls muss dann eine nochmalige gezielte Behandlung mit Antibiotika erfolgen.



